Integrierte Gesamtschule Hannover-Linden

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Stadtrat beschließt Neubau der IGS Linden

2020 02 28 Neubau kommtNun ist es also definitiv beschlossen: Die IGS Linden wird neu gebaut; noch geprüft wird der künftige Standort. Umstritten war im Rat der Zeitplan, eine breite Mehrheit hat sich schließlich dafür ausgesprochen, dass die Planungen im Jahre 2030 abgeschlossen sein sollen. Lesen Sie hier den Bericht aus der HAZ.

Schulleiter Peter Schütz schreibt dazu in einem Brief ans Kollegium: Ganz herzlichen Dank an alle, die uns auf dem recht steinigen Weg dorthin begleitet und unterstützt haben!


Eine kleine Gruppe um den Abgeordneten der Piraten, Bruno Adam Wolf, hatte sich für einen früheren Termin (2025) eingesetzt. Weil Ratsherr Wolf in seiner Rede in besonderer Weise die Geschichte und die aktuelle Arbeit der IGS Linden würdigt, hier seine Ausführungen zum Nachlesen:

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
Herr Oberbürgermeister,
liebe Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen sowie alle anderen Gäste,
verehrte Kolleginnen und Kollegen,

ich fange mal mit dem wirklich Positiven an: Nach langen und langwierigen Debatten sind wir uns mittlerweile alle, nein: fast alle, ausser natürlich der AfD, einig – die Integrierte Gesamtschule Linden braucht eine gesicherte Entwicklungsperspektive. Mehr noch: Es herrscht mittlerweile weitegehend Einigkeit darüber, dass die Saniererei und Flickschusterei an dem Gebäude auf Dauer nicht mehr weiterhilft.

Der Druck des gesamten Schulkollegiums mit Eltern, Lehrerenden und Schülerinnen und Schülern- aber auch insgesamt aus dem Stadtbezirk Linden-Limmer- zeigt endlich Wirkung und hat zu einer wichtigen Einsicht geführt: Wir brauchen einen Neubau, in dem genug Platz für alle ist. Der Weg zu dieser Einsicht hat lange gedauert und deswegen möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich all jenen öffentlich meinen Dank aussprechen, die nicht locker gelassen haben, die Konzeptvorschläge entwickelt haben, die vor und hinter den Kulissen von Verwaltung und Politik für einen Neubau geworben haben.

Platz für alle, meine Damen und Herren, ist aber nicht nur rein räumlich gemeint, sondern auch im übertragenen Wortsinne. Das Konzept der Integrierten Gesamtschule spiegelt sich schon im Namen wider: Vor über 50 Jahren haben engagierte Bildungspolitiker*innen in der Bundesrepublik den Aufbruch gewagt und Alternativen zum dreigliedrigen Schulsystem gesucht und gefunden. Es ging um Integration statt Ausgrenzung.

Die IGS Linden wurde im Jahr 1971 als eine von insgesamt sieben integrierten Gesamtschulen in Niedersachsen eröffnet, achtzügig und mit 240 Schüler*innen. Es gab damals fast dreimal so viel Anmeldungen. Die IGS Linden war in Hannover die erste IGS und ein Platz dort war sehr begehrt. Zwei Jahre später folgte die IGS Roderbruch, die ebenfalls viel mehr Anmeldungen als Plätze hatte. Heute bestehen in Hannover elf Integrierte Gesamtschulen. Im laufenden Schuljahr bieten davon sieben IGSen eine eigene gymnasiale Oberstufe an, teils in einer Kooperation.

Eine davon ist die IGS Linden. Nächstes Jahr feiert sie ihr 50-jähriges Bestehen. Die IGS ist qua Konzept ein Lernort für alle Kinder, egal welche soziale oder ethnische Herkunft sie haben, egal wie der individuelle Unterstützungs- und Förderbedarf ist. Neben der Vermittlung von Fachwissen gehört auch das soziale Lernen zum pädagogischen Konzept. Heute steht das I nicht nur für Integration, sondern auch für Inklusion.

Wie schon zum Start der IGS Linden im Jahr 1971 herrscht auch heute ein großer Andrang bei den IGSen. Aber: die Kapazitäten, für die Hannover als Schulträgerin zuständig ist, sind heute wie früher zu knapp.

Dem aktuellsten kommunalen Schulentwicklungsplan ist zu entnehmen: Die Verwaltung geht bezogen auf die Sekundarstufe I aller IGSen davon aus, dass bereits in zwei Jahren mehr als 150 Schüler*innen dort nicht mehr adäquat untergebracht werden können. Im Verwaltungsdeutsch heißt das schlicht, ich zitiere: „Damit entsteht bereits zum Schuljahr 2022/23 ein Fehlbedarf von insgesamt fünf Klassen.“ (Zitat Ende)

Bezüglich des Oberstufenbereiches darf ich - mit Ihrer Erlaubnis, Herr Ratsvorsitzender (Blick dorthin) – noch weiter aus dem aktuellen Schulentwicklungsplan zitieren: „Die Schulträgerin geht davon aus, dass weiterhin eine hohe Nachfrage nach Oberstufenplätzen an den IGSen besteht.“ (Zitat Ende)

Das ist die allgemeine Aussage. Die Aussagen zur IGS Linden sind aber noch deutlicher. Bezogen auf den Bereich der Sekundarstufe I heißt es wörtlich: „Die IGS ist durchgehend bis an die Kapazitätsgrenze und teilweise darüber hinaus ausgelastet.“ Und weiter: „Die IGS Linden weist einen hohen Anteil an Schüler*innen mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung auf.“ (Zitat Ende) Konkret sieht das so aus, meine Damen und Herren: Rund 140 Schülerinnen und Schüler, beinahe 15 Prozent der annähernd 1.000 Unterrichteten im Sekundarbereich I, haben Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung.

Zum Vergleich: In den beiden voll ausgebauten Gymnasien im Stadtbezirk Linden-Limmer (Humboldtschule und Helene-Lange-Schule) wurden im vergangen Schuljahr laut Schulentwicklungsplan im Sekundarbereich I insgesamt 9 Schüler*innen mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung unterrichtet. Bei insgesamt 1156 Schüler*innen an diesen beiden Gymnasien entspricht das einem Anteil von etwa 0,8 Prozent.

Hinzu kommt, dass die Klassenfrequenzen an der IGS Linden durchschnittlich höher sind als an den Gymnasien. Die IGS Linden ist schon jetzt nicht nur an ihrer Kapazitätsgrenze, sondern – wie eben zitiert – „teilweise darüber hinaus ausgelastet“, das heißt also auf gut deutsch: Überlastet! Und zu wenig Platz!

Meine Damen und Herren, jetzt kommen noch Modulanlagen aufs Gelände des Schulhofes, weil die bisherige Außenstelle in der Ihmeschule fürs Helene-Lange-Gymnasium benötigt wird. Ja, wir haben im Schulausschuss dieser Maßnahme zugestimmt, auch ich habe aus der Not heraus zugestimmt.

Über die Fragen der Gebäudekapazitäten und der Gebäudesubstanz wird sich mein Gruppenkollege Dirk Machentanz noch detaillierter äußern (ggf.: hat sich mein Gruppenkollege Dirk Machentanz eben schon geäußert). Aber eines ist klar: Die IGS Linden ist diejenige Schule im Stadtbezirk, welche die größten pädagogischen Herausforderungen meistern muss und gleichzeitig die schlechtesten Gebäude- bzw. Bau-Bedingungen hat.

Sie, verehrte Kolleginnen und Kollegen aus dem Ampelbündnis, haben unseren Änderungsantrag, den Neubau bis spätestens 2025 zu planen, im Dezember 2019 im Schulausschuss mit lapidaren Argumenten abgelehnt. „Es sei realistisch, den Neubau bis 2030 fertigzustellen“, führte Kollegin Gamoori von der SPD aus. Der Ampel-Antrag sei „gut durchdacht“, sagte Kollegin Klingenberg-Pülm von den Grünen. Die FDP äußerte sich laut Protokoll erst gar nicht. Über die FDP gib es in diesem Punkt, übrigens auch in allen anderen, also nichts nachzudenken.

Aber ich habe nochmal über die Argumentation der Verwaltung nachgedacht. Die Planungsvorläufe benötigten einen gewissen Zeitraum, hörten wir dort, weshalb das Planungsziel 2030 „realistisch sei. Die Verwaltung bearbeite derzeit viele Projekte und habe nicht unbegrenzt Kapazitäten zur Verfügung. Deshalb müssten andere Maßnahmen zurückstehen, wenn zu knapp geplant werde.“

Verehrte Frau Schuldezernentin, liebe Ratskolleginnen und -kollegen, sollen nun die Lehrer*innen und Schüler*innen der IGS Linden ausbaden, dass die Verwaltung hier nicht frühzeitig und nachhaltig in die notwendige Planung gegangen ist? Das kann es doch wohl wirklich nicht sein!

Ich habe vorhin mit pädagogischen Zahlen und Fakten ausgeführt, dass und warum das Projekt des Neubaus der IGS Linden vorrangig ist und prioritär behandelt werden muss. Und ich untermauere meinen Appell, unserem Änderungsantrag zuzustimmen, mit einer Schülerinnen-Stimme aus dem Schulausschuss. Ausschussmitglied Amelie Bindert sprach sich klar für unseren Antrag aus mit einem treffenden Argument: Eine Zielsetzung bis 2025 führe durch den Zeitdruck zu – ich zitiere wörtlich – „ambitionierteren Handlungen“.

Diese Aufforderung zu einer ambitionierteren Herangehensweise ist sicher auch in der Ampel angekommen. Jedenfalls gehe ich mal davon aus, dass unser geschätzter Ratskollege Marc Bindert sich mit seiner Tochter unterhält. Also, geben Sie sich einen Ruck, handeln Sie mal ambitioniert und folgen hier der (eigenen) Jugend!

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!